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Elektronische Navigation: Radar, AIS

11 amtliche Prüfungsfragen. Warum kleine Echos verschwinden, Ortsbestimmung mit Radar, was AIS sendet, wie weit es reicht und wie verlässlich es für Sportboote ist. Unter jeder Frage steht die richtige Antwort und darunter unsere eigene Erklärung: warum sie richtig ist, ein Merksatz zum Behalten und der Fehler, in den die meisten laufen.

Fragen und Antworten unverändert aus dem amtlichen Katalog der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (www.elwis.de), Stand der Übernahme: 9. August 2026. Die Erklärungen sind eigener Text. Quellen und Rechte

Worum es hier geht

Direkt zu den Fragen ↓

Radar und AIS zeigen andere Schiffe auf zwei völlig verschiedene Arten: Radar sieht, was ein Echo zurückwirft, AIS zeigt, was ein anderes Schiff über sich selbst sendet. Die Fragen dieses Abschnitts kreisen um die Grenzen beider Verfahren — und darum, warum gerade ein Sportboot dazwischen verloren gehen kann.

Beim Radar können Echos kleiner Fahrzeuge und Tonnen verschwinden: im Seegang oder Niederschlag, durch falsche Bedienung, auf zu große Entfernung und durch Gieren des eigenen Schiffs bei vorausorientierter Darstellung (head up). Liegen zwei Ziele dicht beieinander, etwa zwei Molenköpfe, helfen eine kurze Impulslänge und ein kleinerer Messbereich, die Echos zu trennen. Zur Ortsbestimmung liefert das Radar zwei Standlinien: eine als Peilstrahl und eine Abstandsmessung mit dem VRM als Abstandskreis.

AIS, das Automatic Identification System, arbeitet ohne Aufforderung: Ausgerüstete Schiffe senden in kurzen Abständen ihre Identität und einen Datensatz, bei Bedarf auch sicherheitsrelevante Nachrichten. Gesendet werden statische Daten wie Rufzeichen und Abmessungen, dynamische Daten wie Position, Kurs und Fahrt über Grund und Fahrtstatus sowie reisebezogene Daten wie Tiefgang und Zielort. Die Reichweite entspricht der von UKW und hängt von der Antennenhöhe ab; bei Handelsschiffen rechnet man mit 20 bis 30 sm, über Relaisstationen an Land kann sie unter bestimmten Umständen größer werden, wobei sich abschattende Hindernisse wie Berge gegebenenfalls umgehen lassen.

Verlassen kann man sich auf AIS nur, wenn das andere Fahrzeug ausgerüstet ist, sein Gerät nicht abgeschaltet hat, sein GPS arbeitet und es nicht wegen Überlastung ausgeblendet wird. Eine falsche GPS-Position wird auf allen anderen Schiffen genauso falsch angezeigt, und manuell eingegebene Daten wie Zielort, Tiefgang oder Fahrtstatus können falsch sein, wenn die Schiffsführung sie nicht aufdatiert. Für Sportboote hat AIS eine doppelte Bedeutung: Sie werden auf fremden Radargeräten oft nicht sicher angezeigt, und wo AIS-Daten zusätzlich im Radar erscheinen, fallen Boote ohne eigenes AIS noch weniger auf.

Radar-Standlinien
Peilung als Peilstrahl, VRM-Abstand als Kreis.
Echos trennen
Kurze Impulslänge, kleinerer Messbereich.
AIS sendet
Statische, dynamische und reisebezogene Daten — automatisch.
Reichweite
Wie UKW, abhängig von der Antennenhöhe; Handelsschiffe 20 bis 30 sm.
Sportboot ohne AIS
Geht auf fremden Schirmen noch leichter unter.

Die typische Falle: AIS zeigt nur, wer sendet — und das, was er sendet. Ein Fahrzeug ohne AIS fehlt in der AIS-Darstellung ganz, und eine falsche Position des Senders erscheint überall gleich falsch.

Eigener Text dieser Seite — keine amtliche Quelle. Verbindlich ist der amtliche Katalog; die Fragen darunter stehen wörtlich so darin.

  1. 102

    Wodurch können Radarechos von kleinen Fahrzeugen und Tonnen auf den Sichtschirmen von Radargeräten "verschwinden"?

    Musterantwort

    1. Durch Seegang und/oder Niederschlag,
    2. durch falsche Bedienung,
    3. durch zu große Entfernung,
    4. durch Gieren des eigenen Fahrzeugs bei relativ vorausorientierter Radarstellung (head up).

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  2. 103

    Wie kann man mit Radar den eigenen Schiffsort bestimmen?

    Musterantwort

    1. Peilung des Objektes gibt einen Peilstrahl als Standlinie.
    2. Abstandsmessung mit dem VRM (Variable Range Marker) gibt einen Abstandskreis als Standlinie.

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  3. 104

    Wie kann man gegebenenfalls verhindern, dass sich Echoanzeigen von Zielen (z. B. 2 Tonnen, 2 Molenköpfe) überlappen?

    Musterantwort

    1. Kurze Impulslänge wählen.
    2. Messbereich verkleinern.

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  4. 105

    Was bedeutet der Begriff AIS auf See?

    Musterantwort

    AIS bezeichnet das automatische Identifizierungssystem (Automatic Identification System).

    AIS = Automatic Identification System

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  5. 106

    Welche Aufgaben hat AIS?

    Musterantwort

    Alle ausgerüsteten Schiffe senden automatisch (also ohne Aufforderung und menschliches Eingreifen) in regelmäßigen kurzen Abständen ihre Identität und einen schiffsbezogenen Datensatz. Außerdem können bei Bedarf sicherheitsrelevante Nachrichten ("safety related messages") von Bord oder von Landstationen gesendet werden.

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  6. 107

    Welche Reichweite hat ein AIS-Bordgerät und wovon ist sie abhängig?

    Musterantwort

    Die Reichweite und Ausbreitungsbedingungen entsprechen denen von UKW. Bei Handelsschiffen kann man von 20 bis 30 sm ausgehen. Die Reichweite ist abhängig von der Antennenhöhe.

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  7. 108

    Wie kann die Reichweite eines AIS-Bordgerätes landseitig erhöht werden und wie wirken sich dabei Hindernisse (z. B. Berge) aus?

    Musterantwort

    Unter bestimmten Umständen kann die Reichweite heraufgesetzt werden (z. B. mit Hilfe von "Relaisstationen"), wobei ggf. auch abschattende Hindernisse umgangen werden können.

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  8. 109

    Welche AIS-Daten werden von Schiffen aus der Berufsschifffahrt gesendet?

    Musterantwort

    • Statische Daten: ID, Rufzeichen, Länge und Breite des Schiffes u. a.
    • Dynamische Daten (i. W. Sensordaten): UTC, Position, Heading, Kurs und Fahrt über Grund, ggf. Rate-of-turn, Fahrtstatus (z. B. Maschinenfahrzeug mit Fahrt durchs Wasser, Ankerlieger, manövrierbehindertes Fahrzeug).
    • Reisebezogene Daten: Tiefgang, Zielort (Destinaton), ETA u. a.

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  9. 110

    Wann kann man sich auf die Verfügbarkeit und Anzeige vn AIS-Signalen anderer Fahrzeuge verlassen?
    Nennen Sie die wesentlichen Voraussetzungen!

    Musterantwort

    Andere Fahrzeuge werden nur angezeigt, wenn das Fahrzeug auch sendet, d. h., wenn

    1. das Fahrzeug mit AIS ausgerüstet ist,
    2. das sendende Fahrzeug AIS nicht abgeschaltet hat (darf der Kapitän allerdings nur bei bestimmten zwingenden Gründen),
    3. GPS aktiv ist und
    4. aus Kapazitätsgründen (z. B. durch zu viele Schiffe in einem Seegebiet = "target overflow") keine Fahrzeuge ausgeschlossen werden.

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  10. 111

    Wie ist die Genauigkeit von AIS-Daten zu beurteilen (Position und manuell eingegebene Daten)?

    Musterantwort

    • Position:
      Mit AIS wird zusätzlich zur GPS-Position eines Schiffes die Information übertragen, ob es sich um einen GPS- oder DGPS-Ort handelt. Ist die GPS-Position eines Schiffes falsch, wird diese falsche Position auf allen anderen Schiffen angezeigt.
    • Manuell eingegebene Daten:
      Es muss damit gerechnet werden, dass Zielort, Tiefgang, Fahrtstatus u. a. falsch sind, wenn sie - z. B. aus Nachlässigkeit - nicht von der Schiffsführung aufdatiert werden.

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  11. 112

    Welche besondere Bedeutung hat AIS für die Sportschifffahrt im Vergleich mit der Radaranzeige auf anderen Schiffen?

    Musterantwort

    Sportfahrzeuge werden häufig auf den Radargeräten anderer Schiffe nicht sicher angezeigt bzw. die Anzeigen gehen im Seegangsclutter oder in der Informationsfülle unter. Da jetzt auf vielen Schiffen die AIS-Daten zusätzlich im Radar dargestellt werden, besteht die Gefahr, dass Sportfahrzeuge noch weniger auffällig sind, wenn sie nicht selbst mit AIS ausgerüstet sind.

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So geht es weiter