Start › Fragenkatalog › Gezeiten
SKS · NavigationGezeiten
19 amtliche Prüfungsfragen. Spring- und Nippzeit, Alter der Gezeit, Kartennull, Kartentiefe und Wassertiefe, Lotung in Tidengewässern und der Einfluss des Windes. Unter jeder Frage steht die richtige Antwort und darunter unsere eigene Erklärung: warum sie richtig ist, ein Merksatz zum Behalten und der Fehler, in den die meisten laufen.
Fragen und Antworten unverändert aus dem amtlichen Katalog der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (www.elwis.de), Stand der Übernahme: 9. August 2026. Die Erklärungen sind eigener Text. Quellen und Rechte
Worum es hier geht
Direkt zu den Fragen ↓Wer in Gezeitengewässern navigiert, rechnet mit einem Wasserstand, der sich ständig ändert — und die Seekarte zeigt dafür nur einen festen Bezugswert. Alles in diesem Abschnitt hängt an dieser Unterscheidung zwischen der Tiefe in der Karte und dem Wasser, das tatsächlich da ist.
Die Ursache der Gezeiten sind Mond und Sonne. Stehen sie mit der Erde in einer Ebene, addieren sich ihre Wirkungen: Springzeit, mit besonders hohen Hochwassern, besonders niedrigen Niedrigwassern und deutlich stärkeren Gezeitenströmen. Stehen die Linien Erde–Sonne und Erde–Mond im rechten Winkel, ist Nippzeit, mit niedrigen Hochwassern und hohen Niedrigwassern. Das Alter der Gezeit sagt, in welcher Phase zwischen Nipp-, Mitt- und Springzeit man sich befindet. Weil der Mondtag im Mittel 24 h 50 min dauert, also länger als der Sonnentag mit 24 h, rutscht das letzte Hoch- oder Niedrigwasser zeitweise in den nächsten Tag; dann gibt es an diesem Tag nur eines.
Die Tiefenangaben der Karte beziehen sich auf Kartennull (KN). In der Ostsee ist das der mittlere Wasserstand, in der Nordsee und im Englischen Kanal der niedrigstmögliche Gezeitenwasserstand (LAT); die Karte beschreibt jeweils ihre Kartennullebene. Kartentiefe plus Höhe der Gezeit ergibt die Wassertiefe: KT + H = WT. Mit der Kartentiefe kann man normalerweise mindestens rechnen. Eine unterstrichene Angabe wie 2 mit tiefgestellter 3 bedeutet das Gegenteil einer Tiefe: Die Stelle liegt 2,3 m über Kartennull und kann trockenfallen.
Für die Praxis folgt daraus: Wer außerhalb der Niedrigwasserzeit lotet, muss damit rechnen, dass beim nächsten Niedrigwasser weniger Wasser da ist. Die Uhrzeit der Lotung gehört deshalb notiert, um mit der Gezeitentafel zu prüfen, ob das Wasser steigt oder fällt. Den aktuellen Wasserstand zeigt ein Pegel. Die Tafeln sind Vorhersagen: Wind und sehr hoher oder sehr niedriger Luftdruck können Höhe und Zeit von Hoch- und Niedrigwasser erheblich verschieben und zusätzliche Strömungen erzeugen. Angaben zu Gezeitenströmen stehen in Gezeitenstromatlanten, Seehandbüchern und in Tabellen auf den Seekarten, bezogen auf die Hochwasserzeit eines Bezugsortes.
- Springzeit
- Sonne, Mond und Erde in einer Ebene: hohe HW, niedrige NW, starker Strom.
- Nippzeit
- Rechter Winkel: niedrige HW, hohe NW, schwächerer Strom.
- Kartennull
- Ostsee: mittlerer Wasserstand; Nordsee und Kanal: LAT.
- Grundformel
- KT + H = WT.
- Unterstrichene Zahl
- Höhe über Kartennull — die Stelle kann trockenfallen.
Die typische Falle: Gelotet wird die Wassertiefe, in der Karte steht die Kartentiefe — wer außerhalb des Niedrigwassers lotet und den Wert für sicher hält, vergisst, dass das Wasser bis zum nächsten Niedrigwasser noch fällt.
Eigener Text dieser Seite — keine amtliche Quelle. Verbindlich ist der amtliche Katalog; die Fragen darunter stehen wörtlich so darin.
- 70
Wie stehen Sonne und Mond winkelmäßig zur Erde bei Springzeit und bei Nippzeit (die Springverspätung soll hier unberücksichtigt bleiben)?
Musterantwort
Bei Springzeit befinden sich Mond und Sonne in einer Ebene mit der Erde, bei Nippzeit stehen die Verbindungslinien Erde/Sonne und Erde/Mond im rechten Winkel zueinander.
- 71
Erklären Sie den Begriff "Alter der Gezeit".
Musterantwort
Das Alter der Gezeit gibt an, in welcher Phase (Nippzeit, Mittzeit, Springzeit) sich das aktuelle Tidengeschehen befindet.
- 72
Warum findet man z. B. bei Bezugsorten in der Nordsee bzw. im Englischen Kanal zeitweise nur ein Hoch- bzw. Niedrigwasser pro Tag?
Musterantwort
Die Umlaufzeit des Mondes um die Erde dauert im Mittel 24 h 50 min. (Mondtag) gegenüber dem Sonnentag (= 24 h). Deshalb "rutscht" das letzte HW oder NW zeitweise in den nächsten Tag.
- 73
Weshalb und wie können die tatsächlichen Wasserstände von den Angaben in den Gezeitentafeln teilweise erheblich abweichen?
Musterantwort
Durch Wind und/oder durch sehr hohen bzw. sehr niedrigen Luftdruck können erhebliche Wasserstandsänderungen entstehen. HWH bzw. NWH können höher oder niedriger sein als angegeben, die Hoch- und Niedrigwasserzeit kann füher oder später eintreten als angegeben.
- 74
Worauf beziehen sich die Tiefenangaben in Seekarten in den deutschen Gewässern der Ost- und Nordsee?
Musterantwort
Auf Kartennull (KN).
- 75
Was ist Kartennull?
Musterantwort
Kartennull (KN) ist die Bezugsfläche für die Tiefenangaben in einer Seekarte.
- 76
Wie ist Kartennull (KN) in der Ost- und Nordsee und im Englischen Kanal definiert?
Wo finden Sie die entsprechenden Angaben zur Kartennullebene?Musterantwort
In der Ostsee entspricht KN dem mittleren Wasserstand.
In der Nordsee und im Englischen Kanal entspricht KN dem niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand (LAT = Lowest Astronomical Tide).
In der jeweiligen Seekarte ist die Kartennullebene beschrieben. - 77
Was müssen Sie bedenken, wenn Sie die Wassertiefe außerhalb der Niedrigwasserzeit loten?
Musterantwort
Beim folgenden Niedrigwasser wird die Wassertiefe geringer sein als zum Zeitpunkt der Lotung.
- 78
Was ist die Kartentiefe?
Musterantwort
Die Kartentiefe (KT) ist die auf Kartennull bezogene Wassertiefe. Kartentiefe ist Wassertiefe abzüglich Höhe der Gezeit.
- 79
Mit welcher Wassertiefe können Sie bei einer Lotung normalerweise mindestens rechnen?
Musterantwort
Mit der Kartentiefe.
- 80
Welche Bedeutung hat die Angabe "Springzeit" für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
Musterantwort
Zur Springzeit sind besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser zu erwarten.
- 81
Welche Bedeutung hat die Angabe "Nippzeit" für die Wasserstände in Gezeitengebieten?
Musterantwort
Zur Nippzeit sind besonders niedrige Hochwasser und besonders hohe Niedrigwasser zu erwarten.
- 82
Welche Bedeutung haben die Angaben "Nippzeit" bzw. "Springzeit" für die Gezeitenströme?
Musterantwort
Zur Springzeit setzen die Gezeitenströme z. T. deutlich stärker als zur Nippzeit.
- 83
Wo können Sie Informationen über Gezeitenströme in Küstengewässern finden?
Musterantwort
- In Gezeitenstromatlanten, Seehandbüchern,
- in Seekarten aus Gezeitenstromtabellen, die bezogen sind auf die Hochwasserzeiten des dort genannten Bezugsortes.
- 84
Auf einer Seekarte finden Sie in Küstennähe die Tiefenangabe 23.
Was bedeutet das?Musterantwort
Der Ort der Zahl liegt 2,3 m über Kartennull und kann trockenfallen.
- 85
In welchem Zusammenhang stehen Kartentiefe (KT), Wassertiefe (WT) und Höhe der Gezeit (H)?
Musterantwort
WT - H = KT oder KT + H = WT (Lösung auch als Skizze möglich).
- 86
Warum ist es in Tidengewässern wichtig, die Uhrzeit einer Lotung festzuhalten?
Musterantwort
Um anhand der Gezeitentafel feststellen zu können, ob das Wasser steigt oder fällt.
- 87
Was ist ein Pegel?
Musterantwort
Eine Skala zur Anzeige des Wasserstandes.
- 88
Welchen Einfluss kann der Wind auf die Gezeiten haben?
Musterantwort
Der Wind kann Strömungen und Wasserstandsänderungen hervorrufen, die zu den Gezeitenströmen und den Gezeiten hinzutreten.