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SBF Binnen · Fragen zum Segeln

Bootstypen und Stabilität

11 amtliche Prüfungsfragen. Kimmkieler, Kielschwertyacht, Formstabilität und Gewichtsstabilität. Unter jeder Frage steht die richtige Antwort und darunter unsere eigene Erklärung: warum sie richtig ist, ein Merksatz zum Behalten und der Fehler, in den die meisten laufen.

Fragen und Antworten unverändert aus dem amtlichen Katalog der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (www.elwis.de), Stand der Übernahme: 9. August 2026. Die Erklärungen sind eigener Text. Quellen und Rechte

Worum es hier geht

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Elf Fragen, und in der Mitte steht ein Begriffspaar, das den ganzen Abschnitt trägt: und . Wer den Unterschied hat, beantwortet den Rest.

Formstabilität ist die Fähigkeit eines Schiffes, durch seine Rumpfform der entgegenzuwirken — ein breites, flaches Boot legt sich auf die Seite und findet dort Auftrieb. Gewichtsstabilität ist die Fähigkeit, durch tief liegenden Ballast dagegenzuhalten — ein Kiel zieht das Boot wieder aufrecht. Jollen sind vorwiegend formstabil, Kielyachten vorwiegend gewichtsstabil.

Daraus folgt das Verhalten bei zunehmender Krängung, und der Unterschied ist dramatisch. Bei einer Jolle nimmt das aufrichtende Kraftmoment anfangs zu bis zu einem Maximum, danach wieder ab, bis Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt übereinanderliegen — anschließend kentert sie. Bei einer Kielyacht nimmt es ebenfalls zu, erreicht sein Maximum und den kritischen Winkel aber erst bei über 90°. Deshalb kann man eine Jolle kentern und eine Kielyacht nur mit sehr viel Mühe.

Und daraus folgt, was man dagegen tut: Bei formstabilen Booten wird die Stabilität durch Ausreiten oder die Trapezeinrichtung erhöht — man verlegt das eigene Gewicht nach und macht das Boot damit vorübergehend gewichtsstabil.

Die Bootstypen des Abschnitts sind Sonderformen mit je einem Vorteil. Ein ist eine Yacht mit zwei Seitenkielen; sein Vorteil ist, dass er problemlos aufrecht trocken fallen kann — im Tidenrevier steht er auf seinen zwei Kielen wie auf Beinen. Eine Kielschwertyacht hat einen flach gehenden und zusätzlich ein aufholbares ; sie verbindet geringen Tiefgang mit der Möglichkeit, gegen den Wind Höhe zu halten. Und die Bodenlenzventile einer Jolle, die unterhalb der Wasserlinie liegen, wirken durch den , der bei Fahrt durchs Wasser entsteht — sie lenzen also nur, solange das Boot fährt.

Formstabil
Durch die Rumpfform — Jollen.
Gewichtsstabil
Durch tief liegenden Ballast — Kielyachten.
Jolle
Aufrichtendes Moment fällt nach dem Maximum ab, dann kentert sie.
Kielyacht
Kritischer Winkel erst bei über 90°.
Kimmkieler
Zwei Seitenkiele — kann aufrecht trocken fallen.

Die typische Falle: Bodenlenzventile lenzen nur bei Fahrt durchs Wasser. Im Stillstand läuft durch sie eher Wasser hinein als hinaus.

Eigener Text dieser Seite — keine amtliche Quelle. Verbindlich ist der amtliche Katalog; die Fragen darunter stehen wörtlich so darin.

  1. 254

    Was wird unter einem "Kimmkieler" verstanden?

    Eine Yacht mit zwei Seitenkielen.

    Ein Kimmkieler trägt statt eines mittigen Kiels zwei Seitenkiele, jeweils an der Kimm — also dort, wo Boden und Seite des Rumpfes ineinander übergehen. Beide zusammen übernehmen die Aufgaben des einen: Ballast nach unten und Fläche gegen die Abdrift.

    MerksatzZwei Kiele nebeneinander, einer an jeder Kimm

    Typischer FehlerSie mit Schwertern zu verwechseln — ein Schwert lässt sich aufholen, ein Kiel nicht. Und zwei Kiele hintereinander wären etwas anderes; die Bauform lebt davon, dass sie nebeneinanderstehen.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Eine Yacht mit zwei Seitenschwertern.
    • Eine Yacht mit einem Kielschwert.
    • Eine Yacht mit zwei Kielen hintereinander.

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  2. 255

    Worin besteht der Vorteil eines Kimmkielers gegenüber anderen Kielbooten?

    Er kann problemlos aufrecht trocken fallen.

    Zwei Kiele nebeneinander bilden zusammen mit dem Ruder ein Dreibein: Fällt das Wasser, setzt das Boot auf beiden Kielen auf und bleibt aufrecht stehen. Ein Boot mit einem Kiel legt sich dabei auf die Seite. In Tidengewässern ist das der eigentliche Zweck der Bauart — man kann trockenfallen, ohne Schaden zu nehmen.

    MerksatzZwei Kiele stehen, einer kippt

    Typischer FehlerIhm einen größeren Tiefgang zuzuschreiben — er hat einen kleineren, das ist Teil des Vorteils. Die Abdrift ist eher größer als bei einem tiefen Einzelkiel, und aufholen lässt sich ein Kiel grundsätzlich nicht.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Sein Tiefgang ist größer.
    • Die Abdrift ist geringer als bei anderen Kielbooten.
    • Der Kiel lässt sich aufholen.

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  3. 256

    Was wird unter einer "Kielschwertyacht" verstanden?

    Eine Yacht mit flach gehendem Ballastkiel und zusätzlichem aufholbarem Schwert.

    Eine Kielschwertyacht verbindet beides: einen flach gehenden Ballastkiel, der immer da ist und für die Stabilität sorgt, und ein zusätzliches Schwert, das sich aufholen lässt. Bei Fahrt wird das Schwert gefiert und liefert Fläche gegen die Abdrift; im Flachwasser kommt es hoch, und der geringe Tiefgang bleibt.

    MerksatzDer Ballast bleibt unten, die Fläche fährt ein

    Typischer FehlerDen Ballastkiel für aufholbar zu halten — dann wäre die Stabilität weg. Und den Zusatz flach gehend wegzulassen: Ein tiefer Ballastkiel mit Schwert hätte den Vorteil der Bauart gerade nicht.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Eine Yacht mit einem Ballastkiel und einem zusätzlichen Schwert.
    • Eine Yacht mit einem aufholbaren Ballastkiel.
    • Eine Yacht mit zwei Seitenkielen.

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  4. 257

    Wodurch wirken die Bodenlenzventile einer Jolle, die unterhalb der Wasserlinie liegen?

    Durch den Sog, der bei Fahrt durchs Wasser entsteht.

    Ein Ventil unterhalb der Wasserlinie müsste eigentlich Wasser hereinlassen. Es funktioniert trotzdem, weil das strömende Wasser an der Öffnung vorbeiläuft und dabei einen Sog erzeugt, der das Wasser aus dem Boot zieht. Voraussetzung ist Fahrt durchs Wasser — im Stillstand läuft das Boot durch dieselben Ventile voll, deshalb werden sie dann geschlossen.

    MerksatzErst Fahrt, dann lenzen — im Stand läuft es andersherum

    Typischer FehlerEs der Schwerkraft zuzuschreiben — die drückt das Wasser hier hinein und nicht heraus. Und Massenträgheit oder ein Druckgefälle zwischen Luft und Wasser erklären nicht, warum die Wirkung von der Fahrt abhängt.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Durch die Schwerkraft fließt das Wasser außenbords.
    • Durch die Massenträgheit, die das Boot besitzt.
    • Durch das Druckgefälle zwischen Luft- und Wasserdruck.

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  5. 258

    Was wird unter "Formstabilität" verstanden?

    Die Fähigkeit eines Schiffes, durch seine Rumpfform der Krängung entgegenzuwirken.

    Formstabilität kommt aus der Rumpfform. Ein breiter, flacher Rumpf taucht beim Krängen auf einer Seite tiefer ein und verlagert damit seinen Auftrieb nach außen — dieser seitlich versetzte Auftrieb richtet das Boot wieder auf. Es ist also die Geometrie, die arbeitet, und kein Gewicht.

    MerksatzBreit und flach richtet sich über die Form auf

    Typischer FehlerSie mit der Fähigkeit zu verwechseln, sich nach einer Kenterung wieder aufzurichten — das leistet gerade die Gewichtsstabilität. Und mit Kursstabilität oder mit der Haltbarkeit des Rumpfes hat sie nichts zu tun.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Die Fähigkeit eines Schiffes, sich nach einer Kenterung wieder von selbst aufzurichten.
    • Die Fähigkeit eines Schiffes beim Loslassen der Pinne den Kurs beizubehalten.
    • Die Fähigkeit eines Schiffes über Jahre die Rumpfform auch bei starker Beanspruchung beizubehalten.

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  6. 259

    Was wird unter "Gewichtsstabilität" verstanden?

    Die Fähigkeit eines Schiffes, durch seinen tief liegenden Ballast der Krängung entgegenzuwirken.

    Gewichtsstabilität kommt aus tief liegendem Ballast. Krängt das Boot, wandert der Ballast seitlich aus und wirkt als Hebel, der es zurückdreht — je tiefer und schwerer, desto kräftiger. Anders als die Formstabilität wirkt sie auch bei extremer Lage weiter, weil das Gewicht immer nach unten zieht.

    MerksatzDas Gewicht hängt unten und zieht zurück

    Typischer FehlerSie auf zusätzlichen Innenballast oder das Gewicht der Crew zu stützen — beides sitzt zu hoch, um dasselbe zu leisten. Und die Rumpfform gehört zur Formstabilität, dem Gegenbegriff.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Die Möglichkeit durch zusätzlichen Innenballast die Krängung zu verringern.
    • Die Möglichkeit durch ein hohes Crewgewicht der Krängung entgegenzuwirken.
    • Die Fähigkeit eines Schiffes, durch seine Rumpfform der Krängung entgegenzuwirken.

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  7. 260

    Welche Boote sind vorwiegend "gewichtsstabil"?

    Kielyachten sind vorwiegend "gewichtsstabil".

    Kielyachten tragen ihren Ballast im Kiel, also so tief wie baulich möglich, und beziehen ihre Stabilität fast vollständig daraus. Deshalb sind sie vorwiegend gewichtsstabil — und deshalb richten sie sich auch aus großer Krängung wieder auf, statt zu kentern.

    MerksatzKiel heißt Ballast, Ballast heißt gewichtsstabil

    Typischer FehlerJollen zu nennen, deren Stabilität aus der Rumpfform kommt. Und Katamarane oder Trimarane, die ihre Stabilität aus der großen Breite beziehen — das ist ebenfalls Formstabilität, nur in extremer Ausprägung.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Jollen sind vorwiegend "gewichtsstabil".
    • Katamarane sind vorwiegend "gewichtsstabil".
    • Trimarane sind vorwiegend "gewichtsstabil".

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  8. 261

    Welche Boote sind vorwiegend "formstabil"?

    Jollen sind vorwiegend "formstabil".

    Eine Jolle hat kein nennenswertes Ballastgewicht — sie hat ein Schwert, und das ist leicht. Ihre Stabilität kommt aus der Rumpfform und aus der Besatzung, die nach außen geht. Sie ist damit vorwiegend formstabil, und daraus folgt die Kehrseite: Über einen bestimmten Winkel hinaus kentert sie und richtet sich nicht von selbst wieder auf.

    MerksatzOhne Ballast bleibt nur die Form

    Typischer FehlerKielyachten zu nennen, die gewichtsstabil sind. Und Kimmkieler oder Kielschwertyachten, die beide Ballast im Kiel tragen — auch ein flacher Ballastkiel wirkt über das Gewicht.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Kielyachten sind vorwiegend "formstabil".
    • Kimmkieler sind vorwiegend "formstabil".
    • Kielschwertyachten sind vorwiegend "formstabil".

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  9. 262

    Wodurch kann bei formstabilen Booten bei viel Wind die Stabilität erhöht werden?

    Durch Ausreiten bzw. durch Benutzung der Trapezeinrichtung.

    bzw. = beziehungsweise

    Bei formstabilen Booten fehlt der Ballast, also muss die Besatzung ihn ersetzen. Ausreiten heißt, das eigene Gewicht so weit wie möglich nach außen zu bringen; die Trapezeinrichtung verlängert diesen Hebel noch einmal erheblich, indem der Segler außerhalb des Bootes steht. Es ist verlagerbarer Ballast auf zwei Beinen.

    MerksatzDie Crew ist der Ballast, den die Jolle nicht hat

    Typischer FehlerNach Ballast zu suchen, den es an einer Jolle nicht gibt — Innenballast oder Wasserballast. Und Trimmklappen oder ein Zusatzschwert wirken auf Lage und Abdrift, nicht auf die Stabilität.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Durch Verlagerung von Innenballast.
    • Durch Umpumpen von Wasserballast.
    • Durch Ausfahren von sogenannten Trimmklappen oder eines Zusatzschwertes.

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  10. 263

    Wie verändert sich das aufrichtende Kraftmoment einer Jolle bei Krängung?

    Es nimmt anfangs zu bis zu einem Maximum, von da wieder ab, bis Auftriebs- und Gewischtsschwerpunkt übereinander liegen, anschließend kentert die Jolle.

    Am Anfang wächst das aufrichtende Moment mit der Krängung: Der Auftrieb wandert nach außen, der Hebel wird länger, bis ein Maximum erreicht ist. Danach taucht die Kante ein, der Hebel wird wieder kürzer, und das Moment nimmt ab. Liegen Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt schließlich übereinander, ist kein Hebel mehr da — die Jolle kentert.

    MerksatzErst mehr, dann weniger, dann gar nichts mehr

    Typischer FehlerDen Verlauf umzudrehen und mit einer Abnahme zu beginnen. Und das Maximum an die Stelle zu legen, an der die beiden Schwerpunkte übereinanderliegen — dort ist es gerade null.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Es nimmt anfangs ab bis zu einem Minimum, von da wieder zu, bis Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt übereinander liegen, anschließend kentert die Jolle.
    • Es nimmt anfangs ab und erreicht ein Maximum, wenn Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt übereinander liegen, anschließend kentert die Jolle.
    • Es nimmt anfangs ab und erreicht sein Minimum, bis Auftriebs- und Gewichtsschwerpunkt übereinander liegen, anschließend kentert die Jolle.

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  11. 264

    Wie verändert sich das aufrichtende Kraftmoment einer Kielyacht bei stetig zunehmender Krängung?

    Es nimmt zu und erreicht nach Überschreitung des Maximums seinen kritischen Winkel erst bei über 90°.

    Bei einer Kielyacht hängt der Ballast so tief, dass er auch bei extremer Lage noch zurückzieht. Das aufrichtende Moment nimmt zunächst zu, erreicht ein Maximum und fällt danach ab — aber es wird erst jenseits von neunzig Grad negativ. Praktisch heißt das: Eine gelegte Kielyacht richtet sich in aller Regel von selbst wieder auf.

    MerksatzÜber die Seitenlage hinaus zieht der Ballast noch zurück

    Typischer FehlerDen kritischen Winkel zu früh anzusetzen, bei siebzig oder bei neunzig Grad. Und anzunehmen, das Moment nehme von Anfang an ab — dann käme keine Kielyacht je über die ersten Grad hinaus.

    Erklärung des Bootsschein-Trainers — nicht Teil des amtlichen Katalogs.

    Die anderen Antwortmöglichkeiten
    • Es nimmt bis zum Erreichen des kritischen Winkels zu, der bei etwa 70° liegt.
    • Es nimmt bis zum Erreichen des kritischen Winkels von 90° ab.
    • Es nimmt bis 90° Krängung ab und dann stetig zu.

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